19.03.2019 Einen Ast stehen lassen

Beim Baumschnittkurs werden Neibsheimer und Gondelsheimer Bäume gekürzt

„Man muss immer einen Grund haben, wenn man einen Ast abschneidet“, sagte Thomas Hauck, erster Vorstand des Obst- und Gartenbauverein 1935 Neibsheim e.V. Der Fachwart hatte den insgesamt 50 Teilnehmern seines Winterschnittkurses bereits einen ausführlichen Einblick in die Theorie des Schneidens gegeben. Dabei war Hauck auf das Alter von Bäumen, die Wundpflege, sowie die wichtigsten Regeln beim Schnitt eingegangen.
Die Praxis des Winterbaumschnitts der unterschiedlichen Baumarten erklärten die Fachwarte Peter Gerweck und Thomas Hauck auf zwei Neibsheimer Grundstücken. Dabei verdeutlichten sie, dass die Bäume mit dem richtigen Schnitt im kommenden Jahr pflegeleichter zu handhaben sind. „Es ist wichtig zu wissen wie der Baum auf den Schnitt reagiert und dazu muss ich vor dem Schnitt wissen wo ich mit dem Baum hin möchte“, sagte Hauck.
In Zusammenarbeit mit Fabian Fritscher von der Gemeinde Gondelsheim zeigte Hauck ein Woche später auf einer Gondelsheimer Streuobstwiese, wie etwa fünfzehn Jahre alte Bäume, die bisher wenig Pflege erfahren haben, gebändigt werden können. Dazu beschnitt er im Dialog mit den Teilnehmern Apfel-, Birnen- und Zwetschgenbäume und diskutierten mit ihnen warum Äste abgeschnitten oder stehen gelassen werden sollten. Dafür zogen die Teilnehmer die unterschiedlichsten Gründe heran: Der Ast stört beim Mähen, dieser wächst in die falsche Richtung und jener stört einen anderen Ast beim Wachsen. Sobald er einem Argument zustimmen konnte, schnitt Hauck den Ast ab: „Der muss weg, auch wenn er noch so schön ist“, betonte der Fachwart.
Unter den Gondelsheimer Bäumen fand sich auch ein ganz besonderes Exemplar, das Hauck bereits im vergangenen Jahr zurückgeschnitten hatte: Der Baum war in der Höhe von einem Meter um 90 Grad abgeknickt und dort waagerecht weitergewachsen. „Ich habe einen unteren Ast, der nach Oben gewachsen ist stehen gelassen und den Rest abgesägt. Wie man sieht will der Baum weiter wachsen und hat inzwischen eine gute Krone ausgebildet“, erklärte Hauck den Teilnehmern. Nach dem erneuten Rückschnitt will der Fachwart die Entwicklung des Baums weiter beobachten, das sei ebenfalls wichtig, betonte Hauck. Er erwartet, dass die Bäume bereits in zwei Jahren mit den entsprechenden Leitästen wieder in ein geordnetes Wachstum kommen.